Dinkel (Spelzkorn)     Seite 1 

 Dinkel - mehr als nur ein Korn

Wer kennt ihn heute noch, den Dinkel? Wahrscheinlich kaum jemand: Wegen seiner Unwirtschaftlichkeit geriet er vor einigen Jahren in Vergessenheit. Zurzeit erlebt das auch Spelzkorn genannte Getreide allerdings eine Renaissance.
Vor allem Weizenallergiker, aber auch Ernährungswissenschaftler schwören auf das wertvolle Korn.

Die Geschichte des Dinkelkorns

Ursprünglich war der Dinkel in Südasien beheimatet und wurde dort um 3000 v. Chr. kultiviert. Mit der Völkerwanderung wurde das Dinkelkorn, auch Spelzkorn genannt, über Nahost, Aegypten, Griechenland und Italien in unsere Gegend gebracht.

Noch um die Jahrhundertwende war es in vielen Gegenden und Ländern sehr bekannt, so vor allem in Skandinavien und Mitteleuropa.
Der alte Sortenreichtum unterstreicht, wie wichtig der Dinkel einst gewesen sein muss: da gab es das Altgold-Rotkorn, das Neuegg - Weisskorn, den Bauländer -Spelz, den roten
Tiroler, das Oberkulmer - Rotkorn oder auch den Ostro, eine Kreuzung aus Oberkulmer und rotem Tiroler.
Damals war ein Anbau nach grosser Menge noch unwesentlich: die Feldarbeiten wurden noch von Hand verrichtet. Erst die Mechanisierung der Dreissiger - und Vierziegerjahre brachte den Dinkel ins Abseits, da sich beim Dinkel keine Ertragssteigerung - weder durch Düngung noch mit anderen Mitteln - erzielen lässt. Nach dem zweiten Weltkrieg geriet der Dinkel daher leider in Vergessenheit und verschwand allmählich aus unseren Küchen.

Der Dinkelanbau

Der Dinkel bevorzugt karge, magere Böden. DurchDüngergaben werden wphl der wuchs und die Aehrengrösser, weil Halm und auch Aehren mehr Wasser aufnehmen; der schwere Halm knickt allerdings viel rascher, sodass die am Boden liegenden Aehren nicht mehr vollständig ausreifen können. Das Düngen lohnt sich also nicht; eine Ertragssteigerung ist automatisch und zwingend mit einer Qualitätseinbusse verbunden.
Im Zuge der Mechanisierung und dem Bestreben, auf gleicher Fläche eine grössere Ernte zu erzielen, wurde der Dinkel wirtschaftlich uninteressant und geriet gegenüber dem Weizen in Hintertreffen (ab 1985 wurde der Dinkel von der eidg. Getreideverwaltung als nicht weiter zu verfolgendes Korn bezeichnet).

In verschiedenen Länder jedoch - Dänemark, Teilen Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz -, wo die biologisch - dynamische Anbauweise angewendet wurde, haben sich die alten Sorten halten können. Im Interesse, die guten Sorten zu erhalten, ist das Saatgut weiterhin gepflegt worden. In der Schweiz werden vorwiegend das Oberkulmer - Rotkorn und der Ostro angebaut.
Auf Bio - Höfen ist deshalb heute noch schöner und guter Dinkel erhältlich.

Die Eigenschaften des Dinkelkorn

Der Dinkel beinhaltet, verglichen mit dem Weizen, einige Vitamine und Spurenenlemente mehr. Diese zusätzlichen Bestandteile zeichnen ihn als vorzügliches Korn aus. Ein weiterer, grundlegender Unterschied zwischen Dinkel - und Weizenkorn wird aus der Schnittzeichnung ersichtlich.


Der Weizen weist nur in den ersten drei Schichten sowie im Keim Vitamine und Spurenelemente auf. Ab der vierten Schicht besteht er nur noch aus leerer Stärke, sprich: Weissmehl. Als Vollkorn gegessen, besitzt aber auch der Weizen seinen Wert.

Beim Dinkel hingegen verteilen sich die Vitamine und Spurenelemente (die in Eiweiss eingeschlossen sind) auf das ganze Korn; sie sind auch im Mehlkörper nachweisbar.

Der Dinkel behält nur in seiner ureigenen Form seine Qualität, weshalb er nicht mit anderem Getreide vermengt werden sollte: beim Mischen nehmen nähmlich die Eigenschaften des Mischkorns überhand. Dasselbe gilt auch für das Kreuzen: Allergiker zeigen bei Dinkel - Weizen - Kreuzungen dieselben Abwehrreaktionen wie bei normalem Weizen.